la pièce de résistance

For the sake of auld lang syne

Ich ziehe um.

Künftig ist mein Blog hier zu erreichen, Updates wird es nur noch dort geben.

 

1 Kommentar 19.2.10 18:03, kommentieren

Diese Sache schlägt ziemlich hohe Westerwellen

Klarheit in der aktuellen Debatte würde nur eine Studie schaffen, die die Motivation und Einstellung von Arbeitslosen erschöpfend beschreiben könnte. Das wäre nun Aufgabe der Soziologie, nicht der Politik; aber eine solche Studie wird es nie geben, weil es sie nicht geben kann - niemand, der keine Lust auf Arbeit hat, würde das in einer Umfrage geben.

Ein gedankenloses Lospoltern, wie es Westerwelle zu tun pflegt, ist natürlich in einer derart delikaten Angelegenheit die vollkommen falsche Vorgehensweise. Was man aber nicht leugnen kann, ist eine der Parolen der FDP: Wer arbeitet, muss mehr verdienen, als der, der nichts tut. Fraglich hierbei ist, wie man dieses Ziel erreichen kann.

Mindestlohn kann dazu meines Erachtens keine Option sein, zumindest keiner, der des Namens würdig ist. Die Debatte würde sich einfach auf ein etwas höheres Niveau verlagern: Unqualifizierte, anspruchslose Jobs würden plötzlich genauso gut bezahlt wie solche, für die man eine Ausbildung braucht. Anstatt der Versuchung zu erliegen, nicht arbeiten zu gehen, würde man stattdessen nicht mehr zur Schule gehen, in dem Wissen, dass, wenn man denn eine Arbeit findet, sie auch gut bezahlt werden würde. 

Letztlich wird der Schlüssel zu dieser Debatte wieder die Bildung sein. Höhere Qualifizierung ist immer noch der beste Garant, eine Arbeit zu finden, und wird wohl auch bei manchen eine Einstellungsänderung hervorrufen. 

Diesmal werde ich hier keinen polemischen Abschlusssatz einfügen können, da ich selbst ausnahmsweise mal keine Musterlösung zur Hand habe. Aber mit dem stumpfen Verweis auf Populismus eine notwendige gesellschaftliche Kontroverse abzuwürgen, wird bestimmt nicht dazu beitragen, etwas zu verändern.

1 Kommentar 17.2.10 19:05, kommentieren

Für weniger Mitsprache!

Das schöne Kunstwort "Web 2.0" in allen Ehren, aber vieles ist schlichtweg überflüssig.

Damit meine ich nicht etwa Twitter oder Facebook, sondern so profane Dinge wie die Kommentarfunktion bei den Onlineauftritten von großen Printmedien. Es ist soweit gekommen, dass ich auf manchen Seiten die Artikel, die ich anklicke, nur nach Kontroversität auswähle, um in spontanen Anfällen von Masochismus mein Menschenbild mit dem Lesen der Kommentare dazu nur noch weiter verdüstern zu lassen.

Zum einen sind die Leute, die Zeit und Muße haben, zu jedem Mist einen Kommentar zu hinterlassen, vollkommen unrepräsentativ, was die Gesamtbevölkerung angeht. Das Lesen der Kommentare vermittelt also nicht einmal den Ansatz von einem Realitätsbild, das man sich vielleicht dadurch erhoffen könnte; vielmehr spiegeln die Kommentare die unreflektierte Weltsicht einiger weniger wieder. Welche Leute das sind, lässt sich leicht wenn schon nicht am Inhalt, so doch meines Erachtens eindeutig an Form und vor allem Orthografie erkennen.

Der Moderationsaufwand seitens der Betreiber der Nachrichtenseiten steht auch in keinem Verhältnis zum Nutzen, den eine solche Kommentarfunktion hat. Die Illusion des Interaktiven, der Möglichkeit, dem Autor oder gar dem Akteur der Nachricht seine eigene, höchstpersönliche Meinung zukommen zu lassen, verblasst schnell, wenn man die niederschmetternde Irrelevanz seiner eigenen Meinung erkennt, was speziell diese Nachricht betrifft. Dennoch scheint diese Erkenntnis bei vielen zu fehlen; außerdem hält sich wohl oft auch der Moderationsaufwand, etwa bei welt.de, stark in Grenzen.

Die Bindung zum Medium, die der Eindruck des Mitredenkönnens beim Einzelnen hinterlässt, könnte dazu führen, dass er die Seite wieder besucht. Das ist aber nur eine wirklich abwegige Idee, mit der ich mir selbst einen Teil dieses Phänomens zu erklären versuche.

Leserkommentare erzeugen ein paar Klicks. Der, der sie sich durchliest, der, der einen verfasst, hinterlässt so eine kleine Steigerung des Werbewerts der Plattform. Allein, ist es das wert, wenn man ansonsten damit rechnen muss, dass der eigene Ruf brachial den Bach runter geht, weil stereotype, unbedachte Unterschichtenmeinungen ein Drittel der aufgerufenen Seite ausmachen?

Auch Leserbriefe, besonders in Regionalzeitungen, können einen die Hand vor den Kopf schlagen lassen. Nichtsdestotrotz gehört mehr Eigeninitiative, mehr Aufwand dazu, der Zeitung einen Brief (oder eine E-Mail, zugegebenermaßen) zu schreiben, d.h., mehr Zeit zum Nachdenken und gegebenenfalls Seinlassen. Die Auswahl der abzudruckenden Leserbriefe durch die Zeitung garantiert (oder sollte es zumindest), dass ein ausgewogenes Meinungsbild entsteht. Bequemer ist es aber, auf "Kommentar schreiben" zu klicken und mal so richtig die Caps-Lock-Sau rauszulassen, und wenn die gleichen Schlagworte schon zig mal gepostet wurden - denn des weiteren sind die Kommentare furchtbar redundant. Man erkennt auf Anhieb die Meldungen, die das typische negative Politik-, ja, das negative Weltbild zu bestätigen scheinen, und manchmal habe ich den Verdacht, dass genau solche Nachrichten online gepusht werden. Negativismus herrscht zwar als Nachrichtenfaktor nur dort, wo das Negative die Ausnahme ist (also etwa hier, obwohl viele Stammtische mir bei diesem Punkt widersprechen dürften), aber solange er einer ist, klicken genug Leute auf vermeintliche Horrormeldungen aus Politik und Wirtschaft, und hey, wenn sie einen Kommentar hinterlassen, um so besser.

Leserkommentare sind kein Spiegel der Gesellschaft, sie sind ein hässliches Foto mit seltsamen Leuten drauf, das man am liebsten wegschmeißen möchte.

 

8 Kommentare 9.2.10 23:19, kommentieren

Warum auch nicht

Mit welcher Überschrift versieht man am besten folgende Aussage?

 

Genau!


2 Kommentare 4.2.10 19:48, kommentieren

Ich erspare mir hier den "Reichst-du-mir-mal-die-Salzstreuerin"-Witz

Nun ist die "UniPress" der Uni Mainz, die sich selbst als "Zeitung der Studierendenschaft" bezeichnet, sowieso eine heikle Angelegenheit. Unverhohlen wird hier nicht die Meinung der Studenten, sondern die Ansichten der AStA wiedergegeben, die von gerade einmal zehn Prozent der Studenten gewählt worden ist.

Ob das nun lächerliche Verschwörungstheorien sind (''FDP will BAFöG abschaffen'') oder offene Angriffe gegen die Meinungsfreiheit Andersdenkender (i.e. Nicht-Linksaußenwähler) sind, die mit den durchaus ernstzunehmenden Berichten über das Unileben leider nur spärlich garniert sind, die UniPress nimmt sich selbst ziemlich ernst.

Ziemlich ernst nimmt die UniPress auch die Gleichberechtigung - wenn schon nicht von Gegnern ihrer politischen Meinung, so doch wenigstens die der Frauen.

Unglücklicherweise nimmt das groteske Ausmaße an, denn Opfer wie Schriftbild, Sprachästhetik oder banale Orthografie scheinen hinzunehmende Opfer zu sein, wenn es darum geht, ein wichtiges Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen.

 

 

Eine qualitative Umfrage in meinem weiblichen Bekanntenkreis, die ich seit längerer Zeit in unregelmäßigen Abständen durchführe (ich frage also Frauen, die ich kenne, danach - duh), hat ergeben, dass sich 0% der Probanden diskriminiert fühlen, wenn als Bezeichnung für die Personen, die studieren, das Wort "Studenten" genutzt wird.

Siehe auch hier.

 

 

 

1 Kommentar 4.2.10 11:07, kommentieren

"Artikel IV? Grundgesetz? Nie gehört, aber die abendländische Kultur ist in Gefahr!"

Es macht mich regelrecht krank.

Die Politik hat den Vorschlag, den Islam an deutschen Universitäten zu lehren, gut aufgenommen, und jeder, der sich ernsthaft mit dem Thema befasst, kann nur zum gleichen Schluss kommen.

Wenn man jedoch den grotesken Schritt wagt, die Autoren von Kommentaren in den Onlineauftritten großer Tageszeitungen als Intepretation der öffentlichen Meinung in Deutschland anzusehen, trifft man auf eine Wunderwelt der Intoleranz und der Xenophobie.

Da wird die "abendländische Kultur" hochgehalten und der Islam als solches verteufelt, als faschistisch bezeichnet und als menschenfeindlich. Lösungsvorschläge? Durch die Bank faschistisch und menschenfeindlich, da wird gar ein Verbot des Islam gefordert.

Immer wieder wird der Koran zitiert, wenn es darum geht, zu zeigen, wie verachtenswürdig die Religion ist. Unglücklicherweise scheinen die Autoren der Kommentare noch niemals ihre ach so geliebte Bibel genauer angesehen zu haben, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die dem Koran an grausamen und bizarren Stellen in irgendetwas nachsteht. 

Eine Schande sei es, dass deutsche Steuergelder für "deren" Glauben draufgingen. Abgesehen davon, dass natürlich die meisten von "denen" selbst Deutsche sind und von daher selbst Steuern zahlen, mit denen auch christliche Theologiefakultäten bezahlt werden, scheint den selbsternannten Islamkritikern sowieso jedes Mittel Recht, um in ihrer Panik mit absurden Maßnahmen um sich zu werfen, um "unser Deutschland" vor dem Untergang zu bewahren.

Natürlich scheint es nicht so, als sei auch nur einer der Menschen, die Zeit, Muße und Motivation haben, auf "welt.de" ihren fremdenfeindlichen Scheiß loszuwerden, jemals auch nur in der Nähe einer Universität gewesen.

Die Politik, die von diesen Menschen kritisiert wird, weil sie nicht in der Lage sei, anständige Integrationsmaßnahmen durchzusetzen, wird nun kritisiert, weil sie anständige Integrationsmaßnahmen durchsetzt.

1 Kommentar 30.1.10 17:49, kommentieren

Konsequenz ist mehr als nur ein Wort

Yeah, ich weiß. Ich soll mal was Neues machen.

Nur bin ich leider im Moment etwas beschäftigt und kann daher nur kurze Impressionen vermitteln - wie etwa das hier.

Notorisch sowohl für die konsequente Missachtung der Persönlichkeitsrechte (nicht nur) von Straftätern als auch für die übertrieben starke Personalisierung mit Alter, Bild, Namen der Ehefrau und anderem Gedöns, scheint die Bild-Zeitung dennoch zu versuchen, ihrem Ruf gerecht zu werden. Das sieht dann folgendermaßen aus:

Na gut, so sieht es natürlich nicht aus. Aber das Original bietet meines Erachtens nur ungleich mehr Informationsgehalt - aber hey, die Leute wollen was zum Anfassen. Oder wenigstens was zum Ansehen.

Abgesehen davon, dass es gefährlich ist, eventuelle Rechtsmissstände an so emotional aufgeladenen Themen wie Kindesmissbrauch festzumachen (was man wiederum an den thematisch völlig verfehlten Kommentaren zu dem passenden Artikel sieht, die praktisch unverhohlen Lynchjustiz fordern und Willkür für Gerechtigkeit halten; ich war teils regelrecht schockiert ob der widerlichen Unreflektiertheit der Verfasser), muss man in einem Rechtsstaat konsequent sein. Wenn die Gesetze unzureichend sind, müssen sie geändert werden; es gilt aber immer noch der Grundsatz "Kein Verbrechen ohne Gesetz, keine Strafe ohne Verbrechen", und Verurteilung im Nachhinein wird in diesem Staat nicht praktiziert (so weit vertraue ich meinem Rechtswissen).

Alles andere wäre mittelalterlich und primitiv, völlig ungeachtet der natürlich verabscheuungswürdigen Verbrechen, die Menschen begehen und für die es effektive Strafen geben muss.

2 Kommentare 21.1.10 17:56, kommentieren

Powered by 20six / MyBlog
Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung