la pièce de résistance

Old-Skool-Hasstiraden


Mir ist heute bei einem dienstlichen Spaziergang durch die allseits beliebte Kreisstadt Neuwied wieder eingefallen, was in meinem Blog in letzter Zeit gefehlt hat: Blinde Wut.

Das lässt sich natürlich nachholen, ungeordnet, irrelevant und einseitig.

Wie so oft lässt sich mein Tag an den ersten 100 Minuten nach dem Aufwachen festmachen. Den ersten Minuten, die heute wie üblich vollkommen verkorkst waren. Wer schon einmal um 7.40 die Straße Sandkauler Weg/Langendorfer Straße in Richtung Innenstadt gefahren ist, weiß, wie rücksichtlos und ungehemmt (wer findet das Zitat?) die Fahrer, die von der Engerser Landstraße kommen, Lücken in den Verkehr reißen, um die orange Ampel noch mitnehmen zu können. Da reißt also der Corolla vor mir das Steuer mit aller Gewalt Richtung meine Fahrspur (dass er dabei nicht geblinkt hat, hat mich noch nicht einmal mehr überrascht) und ich schickte ein kurzes Dankgebet nach Japan dafür, dass mein Auto die erstaunlichen Wunder des ABS und ESP kennt. Und das der Hupe. Unverständnis seitens des Mannes, der den Titel des "Unfallgegners" nur um Haaresbreite verpasst hat. Dieter Bohlen hätte sicherlich einen passenden Spruch auf Lager. Als ich dann wieder anfuhr, lenkt der Vollspast ohne auch nur noch einmal in meine Richtung gesehen zu haben quer über die gesamte Straße. Ich war durchaus überrascht, wie laut ich um diese nachtschlafende Zeit schon brüllen kann. Leider wohl nicht laut genug, um beide akustikvollgedämpften Autoscheiben zu durchdringen. Hat mir wahrscheinlich auch eine Anzeige wegen Beleidigung erspart, also hey, was solls.

Besonders tolerant und lebendig mag Neuwied ja sein, was religiöse Überzeugungen angeht, aber eine Sorte Mensch wird hier seit Jahren auf das Übelste diskriminiert: Radfahrer.

Die hirnrissige Straßenführung in der City, die jedem Fremden eine nette, aber meist ungewollte Stadtrundfahrt verschafft, ist für Autos ja noch eine Sache. Als Radfahrer ist man schlichtweg aufgeschmissen. Straßenpolizisten, deren einzige Freude in ihrem schreibtischarbeiterfüllten Leben zu sein scheint, sich in Geschäftseingängen zu verbergen und dann mit arroganter Stimme unschuldige Radfahrer der Fußgängerzone zu verweisen, finden sich zuhauf; man darf zu Recht vermuten, dass sich in der Zentrale in der Reckstraße um den Einsatz in der Mittelstraße nur so gerissen wird. "Hey Manni, mir ist langweilig. Gehen wir paar Radfahrer aufreiben?" - "Ja klar Mann, ich hab schon wieder Stress mit meiner Alten, da kann ich mich 'n bißchen abreagieren." Ich bin niemand, der generell auf irgendeinen Typ Mensch schimpft, aber ist irgendjemand schon einmal aufgefallen, wie lachhaft überheblich der Ton dieser hochmotivierten Gesetzeshüter ist, deren Selbstwertgefühl es zu steigern scheint, willkürlich Menschen anzuschreien?

Und selbst auf eindeutig für Radfahrer ausgewiesenen Wegen (ja, damit meine ich "Radwege" [Die Geißel der Menschheit - Emoticons. Totaler Krieg erwünscht. - Part XI], diese lustig rot markierten Abschnitte auf den extrabreiten Bürgersteigen, ist man vor willkürlichen Übergriffen selbstgerechter Ortsfremder nicht sicher. Lästige Angewohnheit vieler auswärtiger Banken- und Bäckereikunden ist ganz offensichtlich das Abstellen ihrer Fahrzeuge in der Hermannstraße auf dem Radweg. Wen das hier durchgängig beliebte Warnblinklicht warnen soll, ist mir vollkommen schleierhaft. Besonders der Platz vor der AOK ist ein beliebtes Ziel kurzentschlossener Falschparker.

Nun also zu meinem persönlichen Eindruck dieser Vorfälle. Ich bin als Zivi eine Menge mit dem Rad in der Stadt unterwegs, für Botengänge, Einkaufsaufträge und Co.

Scheiße, fällt keinem auf, wie bescheuert diese besonders in dilettantisch produzierten Werbeheftchen in freudiger Regelmäßigkeit benutze Redewendung "und Co." aussieht? Das hier ist ein stiller Protest. Still allerdings nur so lange, wie ihn keiner vorliest, worum ich hiermit bitten möchte.

Also:

Nun also zu meinem persönlichen Eindruck dieser Vorfälle. Ich bin als Zivi eine Menge mit dem Rad in der Stadt unterwegs, für Botengänge, Einkaufsaufträge und ähnliches.

Ich fuhr vollkommen regelkonform den Radweg an der Hermannstraße entlang, und vor der Deutschen Bank parkte ein Auto auf dem Radweg. Ich musste also auf den Teil des Bürgersteigs ausweichen, der normalerweise den Fußgängern vorbehalten ist, und da kein Fußgänger in Sicht war, konnte ich das guten Gewissens tun - dachte ich.

Denn in dem Moment, als ich auf selber Höhe mit dem Auto war (Kennzeichen WW - ....; nur des reinen Informationsgehaltes wegen), reißt eine schnaufende, korpulente, extrem unattraktive Frau undefinierbaren Alters und ebensolcher Haarfarbe (wenn man die fettigen Strähnen, die von ihrem unförmigen Kopf baumelten, denn Haare nennen möchte), gehüllt in eine sackförmiges Gewand der Marke Unrath & Shmoots, reißt also dieser Mensch die Beifahrertür auf, woraufhin ich mit den in nicht unerheblichen Maße ausgelutschten Bremsen meines Dienstfahrrades den fast hoffnungslosen Versuch unternehme, weder das Auto noch die Frau zu treffen.

Ich kann zu meinem Stolz und meiner gleichzeitigen Schande (sie hätte es verdient, Scheiße!) sagen, dass ich beide Gegenstände verfehlen konnte, jedoch nur wenige Zentimeter vor dem unförmigen Klumpen, den diese Kreatur Fuß zu nennen beliebt, zum Stehen kam - was natürlich der allerbeste Anlass für besagte Kreatur ist, mich in einem Schwall von undeutlich dahergejammerten Anschuldigungen und Spucke auf meinen furchtbaren Fehler hinzuweisen.

Wer mich kennt, weiß, dass man mich ohne Weiteres als impulsiv und leidenschaftlich (manche sagen auch hysterisch und cholerisch, und des Öfteren bin ich geneigt, diesen Leuten eher zuzustimmen) bezeichnen kann, und wer mich kennt, weiß auch, dass ich ebenfalls jedoch sehr höflich sein kann. Wer mich nun also kennt, weiß, welchen ungeheuren Kampf ich in diesem Moment mit mir selber ausfechten musste. Als Visualisierung benutzt man besonders gerne in Trickfilmen ein Engelchen und ein Teufelchen auf jeder Schulter, nur dass in meinem Fall der Engel ein verängstigtes, ungefähr daumengroßes Wesen blass wie der Tod war, und der Teufel mich um mehrere Kopfeslängen überragte und wild mit seinem riesigen Dreizack in Richtung der Frau gestikulierte.

Wie der Engel gewonnen hat, kann ich nicht sagen. Ich habe mich jedenfalls auf ein paar wütende Sätze beschränkt und dabei mühsam versucht, keine beleidigenden Schimpfworte zu benutzen, obwohl die Frau es weiß Gott verdient hätte. Die ganze Sache hat mich wahrscheinlich grob überschlagenen fünf Jahre meines Lebens gekostet, ich konnte praktisch fühlen, wie mir die Äderchen im Hirn geschwollen sind.

Zu meinem furchtbaren Unglück habe ich später den Befehl erhalten, unverzüglich im von mir achso geliebten Einzelhandelswarenhaus "Kaufland" Erledigungen für eine ältere Dame zu machen.

Nicht nur, dass das Kaufland aussieht wie ein besseres Lagerhaus, die Mitarbeiter haben auch ungefähr so viel Ahnung von Freundlichkeit den Kunden gegenüber, wie ich mir das bei Lagerarbeitern vorstelle (falls diese meine Vorstellung nicht der Wahrheit entspricht, bitte ich hiermit die werten Leser, die Lagerarbeiter sind, um Verzeihung).

Dass auch die Kunden keine Ahnung auch nur von den elementarsten Arten der menschlichen Umgangsformen zu haben scheinen, ist sicherlich hinlänglich bekannt, aber aufregen könnte ich mich trotzden jedes Mal, wenn ich wieder einen mitten in den engen Gang, der sowieso schon von einer herrenlos abgestellten Palette beschränkt wurde, vollbeladenen Einkaufswagen umfahren muss; oder wenn ich geschlagene fünf Minuten an der Wursttheke warten muss, bis sich schließlich eine Mitarbeiterin dieses Hauses erbarmt, sich an die Theke zu begeben - woraufhin sich eine ältere Frau schamlos und bewusst vor mich drängelt.

Dass ich aber, um die von meiner Auftraggeberin explizit bestelle Bio-Frischmilch an mich zu nehmen, auf die Knie fallen, alte, vergammelte Pappschachteln beiseite schaufeln und Kisten voll Ayran aus dem Weg räumen muss, weil niemand auf die Idee kommt, die verfickten Regale sinnvoll einzuräumen, finde ich schon reichlich unverschämt.

Von der eiskalten wie inkompetenten Kassiererin mal ganz zu schweigen.

Kaufland. Gutes kann so billig sein. Unerwähnt lässt die Firma unseres Vertrauens die Nerven, die beim Versuch, dieses Gute billig zu erwerben, extremer Belastung ausgesetzt werden.

Dass ich zu allem Überfluss noch mit dem Fahrrad fahren musste, weil kein Auto aufzutreiben war, ist zwar nicht direkt die Schuld des Kauflandes, laste ich ihm aber dennoch an - und zwar aus purer Rachsucht und Boshaftigkeit.

Um jedoch beim Thema des Straßenverkehrs in der wunderschönen schönen annehmbaren auszuhaltenden Stadt Neuwied zu bleiben: Auch als Fußgänger hat man es nicht leicht. Was ich oft übe, ist folgendes: Die Mittelstraße auf kompletter Länge entlangzugehen, ohne dabei ein einziges Mal seitlich ausweichen zu müssen, also auf einer geraden Linie gehen. Und wenn man nur gerade, zielstrebig und böse genug blickend geht, weicht einem auch fast jeder aus - bis auf alte Menschen. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu alten Menschen. Einerseits kann ich nachvollziehen, dass nicht mehr alles so einfach ist, und daher habe ich für viele Dinge Verständnis; nicht jedoch dafür, dass manche alte Menschen diese Tatsache ausnutzen und meinen, sich alles erlauben zu können, so zum Beispiel vollkommen blicklos und mit Scheuklappen von der Größe einer LKW-Plane gutbesuchte Einkaufszonen durchqueren zu wollen, am Besten noch mit Rollator oder riesigem Einkaufswagen im Schlepptau. Wenn man dann einmal angerempelt wird, schauen einen sogar die Passanten böse an, die sich sonst einen Dreck um so ziemlich alles scheren - aber hey, ein selbstgerechter und heuchlericher wütender Blick in Richtung unschuldiger Zivildienstleistender kommt immer gut, wenn man davon am Stammtisch oder so erzählt.

Diese Stadt stinkt zum Himmel, und jeder Versuch seitens der amtierenden Politik, dieses Höllenloch auf irgendeine Art attraktiver zu machen für Handel, Gewerbe und Tourismus (Ha! Was sollen die sich anschauen, die zersplitterten Bierflaschen an der Deichpromenade oder die grauen verkommenen Fassaden der Häuser der gesamten City?) ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

 

 

10.12.08 14:32

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


fb (10.12.08 20:22)
ein mitunter lustiger text über belanglose dinge ^^


(11.12.08 14:28)
rücksichtslos und ungehemmt...iwas mit ärzte^^


KimZ (11.12.08 14:39)
Gerne würde ich dem unbekannten Verfasser dieser Zeilen zu seinem Scharfsinn gratulieren, doch ward mir nicht die Ehre zuteil, seinen Namen zu erfahren.

(Ein Schwein namens Männer - das ungewollte Zitat ist mir erst im Nachhinein aufgefallen)


Steven (11.12.08 20:33)
Ich wars^^ Name vergessen...^^


Steven (11.12.08 20:40)
STRG + ist übrigens bei der Seite immer sinnvoll, von der kleinen Schrift bekommt man ja Augenkrebs^^


KimZ (11.12.08 21:38)
Die nächstgrößere lässt aber das Flair eines Grundschullesebuches wiederaufleben...

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