la pièce de résistance

Ich sage ja nicht, dass es eine Todesstrafe für Dummheit geben sollte...

...aber warum nehmen wir nicht die Warnhinweise von allen Gegenständen und lassen das Problem sich selbst lösen?

Als ich mich gestern in der hoffnungslos überfüllten Innenstadt auf die scheinbar endlose Suche nach einem Parkplatz begeben hatte, kam ich am Aufmacher der heutigen Rheinzeitung vorbei. Wie ich gestern den Aufmacher von heute habe sehen können, mag sich der geneigte Leser da fragen. Die Antwort: Ich habe die Schlagzeile in Gedanken gesehen, tatsächlich gesehen aber habe ich das auschlaggebende Ereignis: Ein Feuer in der Kirchstraße.

Wow, mag man sich da denken, ein Feuer. Been there, done that.

Gut, die Flammen schlugen ziemlich hoch, aber das war eigentlich bis auf die Feuerwehrwagen und die roten Absperrbänder das einzige, was man an diesem Vorfall "interessant" nennen könnte.

Nichtdestotrotz strömten von überall her Leute in Richtung dieses Ereignisses. Sowas spricht sich anscheinend herum in einer Stadt, deren größte Schlagzeilen bisher die sensationelle Deichwelle und die ständigen Gerüchte darüber, dass Neuwied in irgendeiner Kriminalstatistik ganz schön weit vorne gelegen hat irgendwann mal gewesen sind.

Nicht nur, dass diese Leute dann die Straßen versperrt haben - Feuer hat offensichtlich eine magische Anziehungskraft, die mich als denkenden Menschen trotzdem nicht dazu verführen würde, so nah wie möglich an eine meterhohe Flammensäule heranzurücken, ohne zu wissen, ob sonst noch etwas passieren könnte - zum Beispiel eine wie auch immer geartete Explosion.

Gaffer sind eine Gruppe von Menschen, die sich meiner selbstgerechten, heuchlerischen Schreibe bisher mit Erfolg entzogen haben. Wie gesagt, bisher.

Spontan erinnere ich mich an eine Szene aus einem Skiurlaub vor einigen Jahren. In einer Senke, die man normalerweise im Schuss durchqueren muss, um die anschließende Steigung ohne watscheln bewältigen zu können, war ein Skifahrer verunglückt und lag mit seltsam verdrehten Gliedern abseits der Piste. Das "Interessante" an diesem Vorfall war die Tatsache, dass ein Rettungshubschrauber daneben stand, dessen Besatzung damit beschäftigt war, den Verunglückten einzupacken. Da standen also nun wie die Leute in einer Gesellschaftsparodie, wie die Hühner auf der Stange die Gaffer am Pistenrand und glotzten mit offenen Mündern die Geschehnisse an.

Ich vermag mir nicht vorzustellen, wie lang diese blutrünstige Meute dafür gebraucht hat, die Steigung zu überwinden, nachdem der Hubschrauber abgeflogen war - muss aber ein lustiges Bild abgegeben haben.

In meiner schon erwähnten Selbstgerechtigkeit brüste ich mich, zu sagen, dass ich daran vorbeigefahren bin, will mich aber nicht der Annahme entziehen, dass ich nicht wenigstens einen Blick dorthin geworfen habe.

Habe ich übrigens schon meine heuchlerische Selbstgerechtigkeit erwähnt? Ich will hier nur klarstellen, dass ich mir darüber vollkommen bewusst bin, aber da offensichtlich niemand meine unterschwellige Selbstironie in der Vergangenheit mitbekommen hat, soll das hier als statement dienen.

Nur so nebenbei.

Wieso verursachen Autobahnunfälle hauptsächlich Staus? Nicht wegen der Spurverengung, denn auch in Gegenrichtung herrscht Stau - nein, Gaffer fahren langsamer an dem Unfallort vorbei, um zuhause auch was zum Erzählen zu haben - und halten so alle nachfolgenden Fahrzeuge auf. 

Die Welt ist ungerecht.

Nur so nebenbei.

Ich frage mich nur eins: Wenn nun, wie von der Feuerwehr dementiert, doch eine Explosionsgefahr bestanden hätte - und wenn nun tatsächlich eine Detonation (Synonyme kicken ass) stattgefunden hätte - wen hätten die geschädigten Gaffer dann nicht alles verklagt, außer ihrem eigenen, scheuklappenbesetzten Verstand?

 

 

17.12.08 19:40

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