la pièce de résistance

Rachefantasien ftw


Er fuhr nach Hause. Der Tag war lang, die Füße schmerzten, er wollte nur etwas essen und sich dann hinhauen und eine Mütze voll Schlaf bekommen. Gedankenverloren lenkte er seinen Wagen die Straße entlang, die er zehn Jahre lang jeden Tag gefahren ist. Er kannte sich blind aus. Die Musik in seinem Auto dröhnte. "Ich brauche keinen Subwoofer, die Anlage ist gut genug... wieder Geld gespart", dachte er sich dazu.

Es dämmerte schon, denn obwohl Neujahr schon ein Stück zurücklag, waren die langen Abende des frühen Sommers noch weit entfernt. Er hatte das Licht angeschaltet, und der SUV, der hinter ihm fuhr, auch; das sah er daran, dass dessen hoch an der Motorhaube angebrachten Scheinwerfer förmlich in seine Heckscheibe zu springen schienen. "Scheiße", dachte er sich, "was fährt der Affe mir so dicht auf?" Er sah auf sein Tacho; fast zehn Stundenkilometer zu schnell. "Was soll der Scheiß, ich fahr doch schon zu schnell", murmelte er in sich hinein. Er tappte mehrmals ganz leicht auf das Bremspedal, um dem wahrscheinlich hirnlosen Mittvierziger im SUV ein Signal zu geben, merh Abstand zu halten.

Wie erwartet hielt sich der Effekt dieser Maßnahme in Grenzen. Langsam stieg die Wut in ihm hoch. Viel hat er von seiner früheren Cholerik abgelegt, aber in solchen Situationen... Egal, einfach ignorieren, dachte er sich, aber als der Wagen dann zum Überholen ansetzte, kochte er über. "Was Mann, gehts noch!?" Er ließ ein wildes Hupkonzert hören, und trotz allem konnte er es nicht lassen, zu versuchen, dem ganzen einen Rhythmus zu geben. Der SUV zog weg, offensichtlich unbeeindruckt.

So nicht; in der Ortschaft spielten oft Kinder am Straßenrand und der Fahrradweg entlang der Straße war meist gut frequentiert. Er schaltete herunter und gab Gas - nachdem er das Ortsausgangsschild passiert hatte. Langsam zog er mit dem lächerlichen Möchtegerngeländewagen gleich und klemmte sich hinter ihn, so wie es zuvor noch umgekehrt gewesen war. Die Landstraße zog sich in sanften Kurven durch die Felder und Wiesen, die idyllisch an dem großen Fluss gelegen waren; doch jetzt, im grauen Licht der untergehenden Wintersonne, machte alles einen kalten und abweisenden Eindruck. Es nieselte. Die Straße war verlassen bis auf die beiden Wagen, die Wasser nach allen Seiten verspritzten, wenn sie durch eine der vielen Pfützen schnitten.

Unter einer alten steinernen Überführung hindurch war schon der nächste Ort sichtbar. Mit unverändertem Tempo schoss der SUV an dem Schild vorüber und durch die ersten Häuserreihen, die die vereinsamte Straße säumten, hindurch. "Diese Scheiße geb ich mir nicht weiter", dachte er, und beließ es bei einem zornigen Aufflackern der Lichthupe. Sofort leuchteten die Bremsleuchten des schweren Wagens, der schon einiges an Abstand wiedergewonnen hatte, auf, und das Auto bremste abrupt. Der Fahrer ließ es am Straßenrand zum Stehen kommen.

Misstrauisch bremste auch er ab und fuhr vorsichtig an dem geparkten Auto vorbei - als der Fahrer seine Tür aufriss und mit hassverzerrtem Gesicht auf die Straße sprang. "Scheiße, was soll das?", rief er und brachte sein eigenes Auto mit Mühe eine Handbreit vor den klobigen Lederschuhen des Mannes zum Stehen.

"Sind Sie eigentlich bescheuert? Ich fahre schon zu schnell und Sie bedrängen mich, fahren mir dicht auf, nötigen mich, überholen mich! Und jetzt hätt' ich Sie fast überfahren, Mann! Was ist los mit Ihnen?"

"Du... du schlechst hier durch die Gegend und hältst alle Leute auf! Ich will auch mal nach Hause, wenn ich von der verdammten Arbeit komme, und so Leute wie du verschwenden meine beschissene Lebenszeit, die ich sonst auch irgendwie sinnvoll verbringen könnte!"

"Erstmal bin ich nicht "Du" für Sie, und abgesehen davon fuhr ich schon schneller als erlaubt! Mann, da können Kinder auf der verfickten Straße spielen, oder Fahrradfahrer, oder was weiß ich!"

"Ach, die Fahrradfahrer spielten auf der Straße...", meinte der fettleibige Holzfällerhemdträger verächtlich mit einem arroganten Grinsen.

"Wollen Sie mich provozieren?"

"So wie du mich mit deinem Geblinke provoziert hast, Junge?"

"Weil du gefahren bist, als hätten sie dir ins Hirn geschissen."

"Jetzt ist genug, du dreistes Arschloch, jetzt siehst du, was du davon hast!" Mit diesen spuckesprühenden Worten setzte er an, auf ihn loszugehen. Die schon erleuchteten Straßenlampen spiegelten sich in der Pfütze, in die der Mann trampelte, und so der Reflektion ihre Ruhe raubte.

So etwas hatte er trotz allem nicht erwartet, doch reagierte er instinktiv. Der Angreifer war alt, dick, unbeweglich und rasend vor Wut. Er ließ sein Bein hervorschnellen, während er zur Seite trat, und mit einem hässlichen Knirchen schlug der Kopf des Mannes auf den Boden. "Was hast du mit mir gemacht!", kreischte der, mit dem erfolglosen Versuch, den Blutstrom aus seiner Nase zu unterbrechen. Fasziniert sah er die feinen Fäden des Blutes die helle Spiegelung der Rückscheinwerfer beider Autos in der Pfütze unterstützen.

"Schönes Leben noch", meinte er und stieg wieder in sein Auto, nicht ohne mit dem Reisverschluss seiner Jacke einen hässlichen Kratzer entlang der Seite des SUVs zu ziehen.

Entspannt fuhr er nach Hause.

25.1.09 11:38

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


fb (25.1.09 11:58)
FAKE!!!

Es gibt garkeine SUVs!


KimZ (25.1.09 12:02)
Kannst ja mal raten, bis wohin die Geschichte noch der Wirklichkeit entspricht...


Steven (25.1.09 12:17)
Dass du dem noch nachsetzt kann mich mir vorstellen , danach würd ich mal sagen Fiktion^^


KimZ (25.1.09 16:06)
Tadadada, ich kläre auf: Bis einschließlich Lichthupe Wahrrheit, danach Film in meinem Kopf.

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