la pièce de résistance

The God That Failed

Nach Taufe, Kommunion und Firmung und zehn Jahren Messdienertätigkeit kann ich nicht länger verhehlen, dass mir vieles nicht gefällt und einiges sogar direkt meine Intellekt widerspricht.

Nicht, dass ich Glauben an sich verurteilen will, aber dennoch die Art, wie er in diesem Fall ausgeführt wird: Jahrhundertealte Riten, strenge Symbolik, blindes Festhalten an Traditionen - immerhin redet der Priester mittlerweile auf Deutsch und in Richtung der Gemeinde. 

Das ist aber auch nur ein kleines Zugeständnis in einer Einrichtung, die nicht nur generelle ethische Werte vermitteln will, sondern zu großen Teilen die genaue Art und Weise, wie man dieselben umzusetzen hat. Ich kann mir als moderner und intellektueller Mensch nicht Weisheiten zum Lebensinhalt vorgeben, die (man kennt das Argument ja) 2000 Jahre alt sind.

Ich fühle mich unwohl, in der Kirche niederzuknien. Natürlich ist das ein starkes Unterwerfungszeichen und als solches auch gedacht, aber ich will mich nicht blind unterwerfen, wenn ich nicht hundertprozentig von etwas überzeugt bin - und selbst dann will ich das nicht müssen. 

Man kann mit religiös komplett und fest Überzeugten nicht objektiv diskutieren. Wenn jedes Argument auf Gott zurückfällt, gibt es keine Möglichkeit, ein vernünfitges Gespräch zu führen, an dem sich beide Seiten bereichern können; Gott ist einfach die Quelle von allem und man muss gar nicht erst nachdenken - obwohl man natürlich seinen freien Willen hat. Stark. Und so wird dann auch erklärt, dass Gott mit seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit die Menschen wie Ratten verrecken lässt. Auch darauf gibt es seit Jahrhunderten Antworten, die das zu erklären versuchen - aber das ist wieder ein typischer Fall für verquere Logik.

Ich kann natürlich behaupten, all das, was ich habe, was ich bin und was ich sein kann, sind ein Geschenk Gottes. Aber muss ich das tun? Vielleicht habe ich einfach Glück gehabt, dass ich nicht behindert geboren bin oder in den Slums von Rio de Janeiro. 

Was die Kirche selbst Gutes getan hat, ist nicht zu verkennen, aber genausowenig, was sie Schlechtes getan hat; doch darum soll es hier nicht gehen. Wenn ich mich in der Kirche umschaue, sehe ich fast ausschließlich alte Menschen. Das kann zwei Gründe haben: Entweder hatte der Kirchenbesuch früher einen höheren Stellenwert und die ältere Generation hat sich diese Tradition bewahrt oder man kommt generell erst im Alter dazu, sich über Religion und Glauben Gedanken zu machen und versucht, etwas zu finden, das einem Halt gibt. In dieser Funktion dann sehe ich nichts grundsätzlich Schlechtes an der Kirche. Aber die katholische Kirche in ihrer Gesamtheit, mit all dem Niederknien, Demut zeigen, sich selbst als unwürdig erachten, mit dem Verhütungsmittelverbot, dem festen Klammern an Bezeichnungen wie "Heiden", führt bei mir nur zu einem Ergebnis:

Wie gut auch die Grundsätze sein mögen, die Umsetzungen sind hoffnungslos veraltet, und Dogmen kann ich als eigenständig denkender Mensch sowieso nicht akzeptieren. Ich will mich nicht als jämmerliche, unwichtige, sündhafte, unwissende, verzweifelte Kreatur sehen, auch wenn Jesus mich nur so liebt.

 

 

28.1.09 15:28

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


fb (28.1.09 22:35)
Warum unterstützt du diese Institution dann noch länger als Messdiener?

Mittäter!


KimZ (28.1.09 23:36)
Es kann nicht jeder ein Stauffenberg sein - und außerdem gedenke ich sowieso, in naher Zukunft auszutreten. Also aus der Messdienertätigkeit, noch nicht direkt aus der Kirche.

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