la pièce de résistance

Born From Boredom

Es ist dunkel, kalt. Mein Atem löst sich in kleinen Dunstwolken von meinen Lippen. Der Gang ist niedrig, ich muss mich ducken. Nervös schaue ich mich um. Was war das für ein Geräusch? Ein ungutes Gefühl beschleicht mich - werde ich verfolgt? Unruhig schleiche ich weiter. Der Spruch von wegen "es ist still - zu still" kam mir immer wie eine ausgelutschte, abgedroschene Wendung vor, aber hier unten hat er seine eigene, bedrohliche Bedeutung.

Langsam gehe ich weiter. Ich muss mit meinen Händen nach dem Schloss tasten. Etwas schleimiges streift meine Fingerspitzen. Angeekelt ziehe ich sie rasch zurück. Ein Schatten huscht an mir vorbei. Keuchend dränge ich mich an die andere Seite des engen Ganges. Ein stechender Schmerz durchzuckt meinen Rücken - es ist das Schloss! Nervös kichere ich. Es war auf der anderen Seite des Ganges. Ich fummele in meinen Taschen nach dem Schlüssel, finde ihn auf Anhieb. "Wenigstens das", murmele ich vor mich hin. 

Das Schloss fällt klackernd zu Boden und erzeugt ein Echo, das durch die Gänge hallt. "Scheiße", fluche ich leise. "Das wird sie aufschrecken." Aber noch höre ich nichts.

Ich öffne die Tür, die leise in ihren Angeln quietscht. Kein Licht, kein verdammtes Licht, wie soll ich es so nur finden? Wieder taste ich mit ausgestreckten Händen in die grobe Richtung, in der ich es vermute. Da! Das muss es sein! Ich ziehe an dem gummiartigem Griff. Es rührt sich nicht, muss feststecken. Ich reiße mit aller Kraft daran; als es sich löst, krache ich mit meinem Rücken wieder empfindlich an die Wand hinter mir und alles um mich herum mit ohrenbetäubendem Getöse auf den Boden.

"Fuckfuckfuck..." Ich stopfe alles zurück hinter die Tür, hektisch reiße ich mir Fingernägel ein, stoße meine Schienbeine an, zerschramme meine Hände. Wenn sie nur bloß nichts gehört haben! Der Gang erscheint mir noch dunkler und bedrohlicher in der unmittelbaren Gefahr, dass man mich bemerkt. Ein langgezogenes Heulen zieht sich durch den Gang, wird an den kahlen Steinwänden reflektiert und erzeugt verwirrende Echos. Ich knalle die Tür zu, nun nicht mehr auf Stille bedacht, sondern nur noch auf Flucht. Ich ramme das Schloß zurück an seinen Platz und wende mich dem Ausgang zu.

Ich kann gerade noch eine schattenhafte Gestalt erkennen, die den Weg versperrt, als ich plötzlich von gleißend hellem, alles überstrahlendem Licht geblendet werde. Ich reiße die Arme vor die Augen, um sie zu schützen, lasse es fallen. Ein wimmernder Laut entflieht meinen Lippen.

Die Gestalt spricht.

"Musst du spätabends so einen Krach machen? Du weckst das ganze Haus auf, weißt du nicht, wie sehr der Keller hallt?"

"Sorry, Dad", murmele ich. 

"Was stehst du hier eigentlich im Dunkeln rum...", sagt er kopfschüttelnd und wendet sich zum Gehen.

6.3.09 18:29

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