la pièce de résistance

Dilemma

An meiner Universität wurde man in den letzten Tagen überschwemmt mit dubiosen Aufrufen aus der linken Szene. Man müsse, so die Flyer, Aufkleber und Prospekte, den Nazi-Aufmarsch am 1. Mai verhindern.

Es ermüdet mich jetzt schon, zu glauben, dass es nötig ist, im Vorfeld dieses Textes klarzustellen, dass ich die rechtsextreme Szene verabscheue und mich so weit wie möglich von ihr distanziere. "So weit wie möglich" heißt in diesem Zusammenhang aber nicht, dass ich mich dem anderen extremen Lager, nämlich dem linken, zugehörig fühle - denn so weit wie möglich von Extremismus abgrenzen kann nie bedeuten, selbst eine extreme Haltung anzunehmen. In diesem Fall halte ich eine liberale Grundeinstellung für die größtmögliche Abgrenzung.

Wenn einem Kommilitonen, der einen Antifa-Flyer dankend ablehnt, in einem wohl erhofft sarkastisch-intellektuellem Ton hintergerufen wird, es sei schön, dass auch Leute für Nazis sind, zeugt das von vielem, aber nicht von einer differenzierten politischen Ansicht des ideologisch verblendeten Flyerverteilers.

Daraus folgt auch mein Schluss, dass ich, selbst wenn ich über den 1. Mai in Mainz geblieben wäre, nicht an der Gegendemo der NPD-Gegner teilgenommen hätte. Ich kann und will mich nicht mit Gruppen solidarisieren, die ebenso demokratiefeindlich und gewaltbereit sind wie die Gruppen, gegen die sie vorgehen wollen. Das höhere Ziel, nämlich der NPD einen Aufmarsch zu bereiten, der für sie nicht zufriedenstellend ist, wird am besten dadurch erreicht, den ganzen Rummel eiskalt zu ignorieren, keine Gegendemonstration zu starten, nicht zuzuschauen bei dem lachhaft-martialischen Marsch durch die Mainzer Innenstadt und keinerlei Mediencoverage desselben anzubieten.

Natürlich will ich nicht alle der zahlreichen die Gegendemonstration organisierenden Gruppen zusammenfassend verurteilen, es sind vielmehr einzelne, die mir sauer aufstoßen.

Die alte Regel "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" mag vielleicht im Mittelalter Bestand gehabt haben, wo es nur darum ging, ideologiefrei sein Ziel zu erreichen, z.B. bei Territorialkämpfen oder ähnlichem, kann aber in der heutigen Zeit nicht mehr zum Maß der Dinge erhöht werden. Es widerspräche meiner tiefsten Überzeugung, in einer Reihe mit Gruppen wie der "Deutschen Kommunistischen Partei Mainz", verschiedenen Kommunalgruppen der Partei "Die Linke" oder stumpf globalisierungskritischen Vereinigungen wie "attac" zu demonstrieren, auch wenn in diesem Fall eines ihrer Ziele mit einem meiner übereinstimmt, nämlich das, neonazistischen, geschichtsrevisionistischen, demokratieleugnenden Ideologien keinen Saatboden zu gewähren.

Oh, und abgesehen davon halte ich es für eine Verstümmelung der deutschen Sprache, ein sogenanntes "Binnen-I" in jedes einzelne verdammte Wort einzufügen, das auch grammatikalisch feminin sein kann - wenn ich noch einmal Vergewaltigungen wie "SchülerInnen", "NationalsozialistInnen" oder "FreundInnen" lesen muss, fange ich an zu schreien.

P.S.

Wenigstens ist es zu keinerlei Gewaltausbrüchen egal welcher Seite gekommen, und ich will nicht leugnen, dass ich die reine Tatsache, dass ein Neonazi-Aufmarsch friedlich verhindert wurde, für eine gute Sache halte. Dennoch bleibe ich bei meiner ablehnenden Haltung gegenüber einigen der Gruppen, die diese Gegendemonstration unterstützt haben.

1.5.09 18:10

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