la pièce de résistance

Der Tanz der Telekom - Ein Unvollendetes Drama in VIII Akten

I.

"Oh höret mich an, Ihr hohen Magier. Ich bitte Euch dringend, mir Zugang zu gewähren zu den Sphären der Information und Kommunikation, auf dass ich nicht abgeschnitten bin von der Zauberkugel namens Internet", rief der Jüngling den Magiern zu. Die Magier gaben sich freundlich. Das lodernde, feurig-pinke T auf ihrer Brust leuchtet zuvorkommend in Erwartung späteren Gewinns. "Natürlich wollen wir Euch Zugang gewähren. Nur - seid Ihr auch bereit, dafür zu zahlen?", fragten sie mit der Andeutung eines Lächelns im Mundwinkel. "Ja, das bin ich. Was muss ich tun?" "Nun denn, so sei es. Man reiche ihm einen Router!"

"Was ist denn ein Router?"

"Ach fuck, bin ich schon wieder aus der Rolle gefallen? Ich meine - ähm - man reiche ihm ein, äh, magisches, zaubriges... ihrwisstschonwasichmeine! Und zahlen soll er!"

II.

In froher Erwartung nahm der Jüngling den magischen Router, den Schlüssel zum sagenumwobenen Internet. Dennoch - etwas fehlte. "Sagt, werte Magier, wann wird mir denn Zugang gewährt?"

"Unser Zauberlehrling wird dich in Kürze aufsuchen, um die spirituelle Reinigung deiner DSL-Leitung durchzuführen."

"Ja sagt mir doch, wann genau? Man erzählt sich Sagen um Sagen über Eure Geschwindheit!"

"In anderthalb Monden wird man euch aufsuchen."

"Die Sagen lügen", murmelte der Junge und zog sich zurück.

III.

Die Wochen vergingen, ohne dass er weiteres von den Zauberern gehört hätte. Doch hatten sie ihm auch einen Brief versprochen mit den Zauberworten, die den Kanal zum Internet öffnen sollten! Nichts erreichte ihn. Mehrmals zog er in Verzweiflung unterwürfigst zu den großen, T-förmigen Turm, um Rat und Beistand zu erflehen, doch vergebens. Kein Brief erreichte ihn jemals.

IV.

"Lasset mich ein!", rief der Zauberlehrling. "Ich bin hier, um Deine Leitung zu bereiten!"

"Endlich", dachte sich der Jüngling. Es ist soweit! Bald wird es funktionieren. Doch nachdem der Lehrling von dannen gezogen war - nichts. Nichts, nichts, nichts. Sein magischer Router zeigte nichts an!

V.

Erneut rief der die hohen Magier an. "Sagt mir, was stimmt nicht?"

"Wenn du den Router richtig angeschlossen hast und er nicht funktioniert, musst du unseren Lehrling noch einmal anrufen, auf dass er komme und den Fehler in der Sphäre behebe."

VI.

Noch einmal habe ich angerufen, um den Brief mit den Zugangsdaten zu bekommen. Nachdem dieser angeblich dreimal wieder zur Telekom zurückkam, hat es nach dieser weiteren Beschwerde nicht einmal 24 Stunden gedauert, bis ich den Brief in meinem Briefkasten fand.

VII.

Der Techniker kam, und was außerdem kam, war das, was kommen musste, nämlich das bedauernde "Da muss ich Ihnen leider eine Rechnung für ausstellen, es liegt nicht an der Leitung, sondern am Router. Damit habe ich nichts zu tun. Sie müssen den umtauschen. Aber wenn sie beim Service anrufen, können sie sich die 60 Euro wahrscheinlich sparen, Sie können das ja auch nicht wissen, dass der neue Router kaputt ist."

VIII.

Ich habe daraufhin besagten Kundendienst angerufen. Die sympathische Telefonistin war mit meinem Problem hilflos überfordert und hat mich gebeten, in einer halben Stunde noch einmal anrufen zu dürfen, sie müsse das mit ihrem "Teamleiter" besprechen. Der Anruf ergab: Ich solle bitte erstmal den Router umtauschen, damit klar ist, dass er tatsächlich defekt war. Sie würde mich Dienstag noch einmal anrufen.

Der Jüngling kochte also vor Wut über die hohen Magier. Aber was konnte er tun? Sie waren mächtiger als er, und er war von ihnen abhängig. Was blieb ihm also anderes übrig, als zu warten auf den Anruf der Telefonistin?

Der soll nächste Woche Dienstag erfolgen. Ich bin extrem gespannt, vor allem meine Nerven. Seit sechs Wochen geht diese Scharade nun, und ich verliere die Geduld.

 

8.5.09 20:14

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