la pièce de résistance

Aus aktuellem Anlass

Ich hätte mir nicht vorstellen können, es für nötig zu erachten, hier ein Statement gegen Rechtsradikalismus abzulegen. Die Diskussionen in Foren bei "studivz" schockieren mich aber derart, dass ich es doch tun will.

Mir fällt eine jämmerliche Haltung zum Verteidigen der eigenen Haltung bzw. Abweisung der Vorwürfe daran durch Verweisen auf Verfehlungen Anderer auf. Wenn man einem NPD-Wähler vorwirft, dass nur allzu oft offene Gewalt an Andersdenkenden von Rechtsradikalen begangen wird, wird sofort auf linksradikale Gewalt verwiesen. Wenn dann der NPD-Wähler selbst in einer ekelhaft erbärmlichen Pose anderen Sozialfaschismus vorwirft (schließlich toleriere man die Haltung der extremen Rechten nicht) und im gleichen Zug auf Meinungsfreiheit pocht, gibt er sich vollends der Lachhaftigkeit preis. Wenn man der NPD als Nachfolgepartei der NSDAP (wer einen Slogan wie "Sozial geht nur national" publiziert, sollte es nicht wagen, etwas zu leugnen) die furchtbare Verbrechen des NS-Regimes ins Gedächtnis ruft, findet eine perverse Verdrehung der Tatsachen als Anschuldigung an die Alliierten statt, eine Ablenkung des deutschen Zivilisationsbruches, um "Dem Russen" Kriegsverbrechen vorzuwerfen.

Die verschiedenen im Forum aktiven Vertreter der Rechtsradikalen pochen bei der Einwanderungspolitik auf "Ausländer ziehen unser Sozialsystem ab, sollen lieber Arbeit suchen", während gleichzeitig fast schon ungewollt komisch klischeehafte Sprüche wie "Ein Ausländer hat mir meinen Job geklaut" jegliche Ernsthaftigkeit, die man diesen Subjekten attestieren könnte, schlussendlich zunichte gemacht wird. 

"Ausländer müssen Deutsch können", eine gerne genannte Parole - interessant dabei nur, dass diese Leute es schaffen, in einen derart einfachen Satz selbst mindestens zwei Orthografiefehler einzubauen. Dass diese blanke Ironie besagten Gestalten nicht auffällt, ist logisch - schließlich sind sie sich keiner Verfehlungen bewusst.

Immer wieder werden leere Worthülsen, gemerkt wahrscheinlich aus Flugblättern der radikalen Parteien, in den Raum gestellt, bewiesen mit Youtubevideos (!), die vornehmlich "assoziale auslända die so DEUTSCHE verklobbn sau die asis ich hasse die ey" zeigen. Wenn man das nicht als empirischen Beweis der politischen Überlegenheit der radikalen Rechten sieht, wird einem Kurzsichtigkeit vorgeworfen, oder der interessante Neologismus "Inländerfeindlichkeit". Dieses Wort passt wiederum gut zu dem ersten meiner Punkte, denn andersherum wird von NPD-Anhängern das Wort "inländerfreundlich" als Verschleierung der nun mal ausländerfeindlichen Politik ihrer Partei benutzt. Gefährlich ist diese Entwicklung in dem Sinne, dass durch eine Grunderneuerung aller dieser Termina die tatsächlichen Einstellungen effektiv (zumindest für die, die zu bequem sind, nachzudenken) verharmlost werden können. Ein Wolf im Schafspelz ist immer noch ein Wolf. 

Stumpfer, unüberlegter Antiamerikanismus ist weiterhin auch verbreitet. Ständig wird der deutschen und europäischen Regierungen eine willenlose Anbiederung an die "Besatzermacht" USA vorgeworfen. Besonders authentisch wirkt das Ganze auch dann, wenn es von jemandem vorgetragen wird, der in seinem Profilbild ein Baseballcap aufhat und vor einem Dartbrett posiert. Ich will gar nicht weiter auf diesen Punkt eingehen, nur eines möchte ich erwähnen: Wer in (wirklich grausam) schlechten Deutsch behauptet, "70% der europäischen Gesetze kommen aus USA" (sic), disqualifiziert sich selbst. Von solchen Leuten, die nicht einmal in der Lage sind, das Wort "denn" richtig zu schreiben, will ich mir nicht die Globalisierung und deren Probleme und Lösungen erklären lassen, weil ich in all meiner Überheblichkeit behaupte, dass derjenige dazu nicht in der Lage ist.

Interessant ist außerdem die Vermischung der rechtsradikalen Ideologie mit der linken. Banale Grundschulkapitalismuskritik soll anscheinend ein Zugeständnis an die Wähler darstellen, die einfach auf jegliche Art von "Du kriegst mehr, die Reichen weniger"-Propaganda anspringen.

Diese Leute werden in den Foren von so vielen demokratisch überzeugten Menschen angegriffen (und zwar quer durch die politische Bank, rot, schwarz, grün, gelb, lila-weiß gepunktet), dass es mir schwerfällt, zu glauben, dass diese Radikalen sich nicht darüber bewusst sind, was für eine winzige, unbedeutende Splittergruppe sie eigentlich sind. Das Problem mit dieser Splittergruppe speziell in Deutschland muss aber nicht erwähnt werden. Weitherhin ist es verständlich, wenn man diese Personifizierungen der Idiotie beleidigen möchte - ich selbst habe mich auch schon dazu hinreißen lassen, speziell, wenn wieder komplett inhalts- und zusammenhanglose Propaganda gepostet wird - allerdings besteht hierin ein großes Risiko (zumindest, wenn das in der Politik geschieht). Denn je mehr man gegen solche Gruppen vorgeht, umso eher ist es ihnen möglich, sich als Märtyrer für die Große Sache zu profilieren. Die "Angst und der Hass", mit denen ihnen begegnet wird, zeugen ja nur von der Gerechtigkeit ihrer Sache, was dann wieder eine Bestätigung der eigenen Ansichten darstellt (wenn man es sich so hinbiegen will).

Insgesamt glaube ich aber, dass die Gefahr im politischen Sinn, die von Parteien wie DVU, den Republikanern und der NPD ausgeht, verschwindend gering ist. Riskant ist, wenn gelangweilte, desillusionierte Ungebildete sich die Slogans dieser Parteien zu Herzen nehmen und so auslegen (was nun wirklich nicht abwegig ist), dass alles (egal was) die Schuld der Ausländer ist, man die also mal schön aufreiben sollte.

Als letztes: Das Wort Ausländer wird auch so dermaßen undifferenziert benutzt, dass einem fast die Galle hochkommt. Familien, die seit Generationen in Deutschland leben, aber eben z.B. noch einen arabisch klingenden Nachnamen haben, sind Ausländer. Asylbewerber sind Ausländer. Touristen sind Ausländer, Einwandererkinder sind Ausländer, der Dönermann an der Ecke ist erst recht ein Ausländer. Ständig pochen die NPD-Verteidiger auf eine Unterscheidung zwischen NSDAP und NPD, Nationalismus und Nationalsozialismus, Antikapitalisten und ihnen selbst, ohne ihre eigenen Maßstäbe an sich selbst anzusetzen - aber das habe ich, wie ich glaube, mittlerweile deutlich genug gemacht. Judge not lest thee be judged yourself.

 

1.6.09 22:35

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