la pièce de résistance

"Really? Makes me feel young again."

Ich war heute im Supermarkt, um eine Flasche Schnaps zu kaufen. Nur eine Flasche Schnaps, sonst nichts - der Bob Dylan unter den uninspirierten Geschenken zum achtzehnten Geburtstag, die Rettung für Menschen wie mich, denen sich die Kreativität, mit der andere Leute persönliche Geschenke kaufen oder selbst herstellen, einfach komplett entzieht.

Und ich muss sagen: Ich habe mich dabei wieder jung gefühlt. Man sollte meinen, dass man mehrere Jahre nach seinem eigenen achtzehnten Geburtstag mittlerweile eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen könnte, wenn es darum geht, harten Alkohol zu erstehen. Man hat schließlich Ausweis, Führerschein und einen ganzen Haufen anderen Kram in der Tasche, mit dem man beweisen kann, dass man jedes Recht hat, dieses Getränk zu erwerben. Wieso also bin ich nervös, als ich mich an die Kasse anstelle?

"Hätte ich mich bloß nicht rasiert", denke ich mir. Wieso? Es ist doch egal, wie du aussiehst, du hast einen verdammten Ausweis. Vor mir zwei Jungen, die offensichtlich nicht mal ihren sechzehnten Geburtstag gefeiert haben. Sie legen Dosen mit "V+ Energy", "V+ Apple" und andere widerliche gezuckerte Rinderpisse auf das Band. Dass die nervös sind, sollte niemanden wundern.

"Meinen Ausweis hab ich nicht dabei, ich, ich hab den verloren, hab 'nen neuen beantragt, ich hab hier aber 'nen Schülerausweis", stammelt der Anführer der zwei der erkennbar misstrauischen Kassiererin zu. Argwöhnisch beäugt sie den Fetzen laminiertes Papier, scheint dann wohl an den kommenden Feierabend zu denken und zuckt mit den Schultern. Ich meine, sie zuckt tatsächlich mit den Schultern, nicht nur innerlich. 

Die Frau direkt vor mir, die ihren gesamten Wocheneinkauf auf das Band gehievt zu haben schien, schielt die Sambuccaflasche in meiner Hand an. Ihr Blick wandert hoch zu meinem Gesicht. Ich lächele sie höflich an. Offensichtlich hat ihr Scan Positives ergeben, denn sie lächelt zurück und bietet mir den Platz vor ihr in der Schlange an. Ich bedanke mich.

Wohin mit der Flasche? Ich bin nervös, so unsinnig und dumm es auch ist. Das Band ist bis ganz vorne zugestapelt mit den Einkäufen der netten Dame. Ungeschickt stelle ich meine Flasche auf auf die kleine Plastiktheke, die normalerweise für das Wechselgeld da ist, und grinse die Kassiererin scheel an. Um Himmels willen, was ist los mit mir? Selbst die Kiddies sind an die Rettung ihrer kleinen Freitagabendhausparty gekommen, und zwar ohne Ausweis oder  erkennbare Volljährigkeit - zwei Dinge, die ich beide besitze. Und tatsächlich, mein Verhalten scheint irgendwie auffällig zu sein. Die Kassiererin kneift prüfend die Augen zu. 

"Sieben Euro Neunundvierzig", informiert sie mich. Ja, ich kaufe als Geschenk für eine Party, die allem Anschein nach ein totaler Abschuss für viele der Anwesenden, die zudem praktisch alle jünger sein werden als ich, nicht gerade den besten Stoff. Das nützt niemandem. Ich schaue in mein Portemonnaie. "Vier Cent?", frage ich die Dame. "Gerne." 

Das scheint das Misstrauen gebrochen zu haben. Kein aufgeregter Minderjähriger würde die Zeit verlängern, in der er an der Kasse steht, und somit die Möglichkeit, aufzufliegen, erhöhen. Mein erwachsenes Selbstvertrauen kehrt sichtlich in mich zurück. Ich nehme sogar die Quittung mit, obwohl ich sie wirklich nicht brauche, um zu zeigen, dass ich vielleicht einen Haushaltsplan oder sowas führe, was Erwachsenes eben. Ich werde nicht nach einem Ausweis gefragt. 

 

16.10.09 19:38

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