la pièce de résistance

We Weren't Born To Be Relevant

Über Bon Jovi wurde in den vergangenen Jahren viel gespottet. Retortenpopmetal, Cock Rock ohne echte Cocks, es wurde unterstellt, sie legten mehr Wert auf ihre Frisuren und Lederhosen als auf die Qualität der Musik. In der Tat sind diese Vorwürfe nicht komplett aus der Luft gegriffen - aber dennoch will ich ohne Scham behaupten, die früheren Platten, d.h. bis ungefähr Mitte der 90er Jahre, gerne zu hören.

Aber ab diesem Zeitpunkt hat sich die Band mehr zu einer Parodie ihrer selbst entwickelt, als die "neuen Einflüsse", wie z.B. unerträglich seichter Countrypop, Überhand nahmen, Bon Jovi jedoch nicht in der Lage waren, sie mit dem existierenden Stil zu etwas wenn schon nicht Neuem, dann doch wenigstens Interessantem zu verbinden. Die bereits bekannten Durchhaltehymnen wurden immer hohler und leerer, denn wer seit 15 Jahren durchhält wie Tommy und Gina, schafft es dann auch alleine. Die zugegebenermaßen schon immer sehr melodramatischen und pompösen Balladen entwickelten sich zu etwas, das mit "Kitsch" noch zu nett betitelt wäre - wer (mich schaudert es schon beim Tippen des Namens) "Thank You For Loving Me" gehört hat, weiß, wovon ich rede. Kurzum, die komplette Band wurde zu etwas, über das sich nur noch die Porgrammdirektoren von SWR3 freuen konnten - nämlich einer komplett irrelevanten Band.

Wer jetzt auf ein "Aber dann" wartet, wird hier enttäuscht bleiben. Auf die Idee zu dieser Art Nachruf hat mich nämlich das Video von "We Weren't Born To Follow" gebracht, die unsägliche neue - who'd have guessed - Durchhaltehymne und Vorabsingle des neuen Albums, das irgendwie heißt und demnächst dann irgendwann in den Läden steht.

In diesem quasipatriotischen Machwerk wimmelt es nur so von Steh-auf-wenn-du-am-Boden-bist-Slogans, die den zugegebenermaßen wie immer gut produzierten Song in eine Art fade Propaganda verwandeln, with the added bonus of einem Mitsing-Yeah-Yeah-Yeah-Postchorus. Das Video zeigt dazu Bilder von vermeintlichen Beispielen von Durchhaltevermögen, Demonstrationen also oder Kundgebungen - und ach so eindrucksvolle Bilder vom ach so eindrucksvollem Al Gore in seinem ach so eindrucksvollem Film, also dem mit dieser Powerpointpräsentation oder so. Ja, auf ein weiteres Beispiel von der Macht der Moralkeule, jetzt sogar in Musikvideoform, haben wir wirklich alle gewartet.

Auch wenn der Song eine nette Melodie hat, sollte er doch einen faden Nachgeschmack im Munde aller hinterlassen, die mehr wollen als eben nur eine nette Melodie. Ich werde das neue Album von Bon Jovi nicht hören.

1.11.09 21:31

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