la pièce de résistance

Bildungsstreik, die zweite

Aus erster Hand bekommen zurzeit viele Studenten den "Bildungstreik" mit. An zahlreichen deutschen Unis gehen Leute auf die Straße, um gegen die Mängel im Studiensystem zu protestieren und besetzen Hörsäle, um diesen ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Soweit die Theorie.

Tatsächlich wird die Grundlage des "Streiks" genutzt, um Ideologiepropaganda zu betreiben. Die Demonstrationen richten sich offensichtlich nicht nur gegen beispielsweise das Bachelor-/Mastersystem, sondern in einem angenehm generalisierten Rundumschlag direkt gegen den Staat als solchen, den Kapitalismus, die Wirtschaft als gesichtsloses Schlagwort, das bedrohlich über den Unis schwebt und uns alle zu Leistung zwingen will.

In Mainz wurden auf dem ganzen Campus Graffitis mit stumpfen Linksaußenparolen auf Wände geschmiert, die den Sinn der aktuellen Debatte letztlich pervertieren - mehr Geld für Bildung? Erstmal mehr Steuergeld, um die Schmierereien zu entfernen. 

Auch wenn meiner persönlichen Erfahrung nach viele Studenten mit der eigentlichen Idee der Proteste sympathisieren,  befürworten doch nur wenige die Mittel. So auch die Hörsaalbesetzungen - logischerweise haben dadurch am meisten die zu leiden, die so nicht zu ihren Vorlesungen gehen können, am Ende des Semesters aber die Klausur bestehen müssen. Haha, denkt sich der Bildungsstreikende da, das wollen wir ja gerade nicht, ständige Klausuren, Prüfungsdruck und Leistungsstress. In der Realität ist es aber im eigentlichen Sinne des Wortes asozial, anderen Studenten derart das Leben (und Lernen) schwer zu machen.

Es macht außerdem nicht gerade den besten Eindruck von Seriosität, wenn nach zwei Tagen "Besetzung" der betreffende Saal aussieht, als ob nicht über Marx und Engels diskutiert, sondern eine wilde Hausparty gefeiert wurde, inklusive leerer Bierflaschen und Chipstüten.

Man wolle den Leistungsdruck nicht, und die Prüfungen, und die Anwesenheitspflicht ist ja sowieso der Ausdruck faschistischer Neigungen der Verantwortlichen. Man könne das "Studierendenleben" nicht mehr genießen. Obwohl man diesen Punkten im Ansatz zustimmen kann (auch mir wird dieses Semester prüfüngstechnisch eine Menge aufgebürdet), habe ich den Eindruck, als sei diese Haltung in der Form, wie sie gerade zum Ausdruck gebracht wird, essentiell nur eins - Faulheit.

Ich für meinen Teil möchte nicht acht Jahre lang an der Uni bleiben, obwohl ich die Zeit auch genieße. Ich will Leistungsdruck, weil ich anders das Lernen schleifen lasse. Ich will Prüfungen, damit ich vorankomme und nicht alles auf kommende Semester schiebe. Natürlich will ich das alles nur in Grenzen, aber nichtsdestotrotz soll mir das Studium generell Kompetenzen für den Arbeitsmarkt vermitteln, ich möchte gut ausgebildet werden - und mit acht Semesterwochenstunden kann ich mir eine Ausbildung nicht vorstellen.

Schuld an allem ist natürlich der Kapitalismus, der uns zwingt, für Lohn auch Leistung zu erbringen, der es uns möglich macht, aufzusteigen und Verantwortung zu übernehmen - aber ach, das ist ja doch so anstrengend. Jetzt wollen die sogar schon, dass wir in der Uni gute Noten schreiben. Nein, da schau ich mir lieber von der AStA mit Geldmitteln geförderte Vorträge zur grundsätzlichen Bosheit des Kapitalismus' an.

Sicherlich ist das auch von meiner Seite aus pauschalisierend. Der schale Nachgeschmack bleibt trotzdem, zumindest in meinem Mund.

 

 

22.11.09 15:25

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