la pièce de résistance

Und der Horizont bis zum Tellerrand

Wenn mir ein Wort in den letzten Jahren jedes einzelne Mal sauer aufgestoßen ist, ist es sicherlich "Islamisierung". Das Schreckensbild des Jihad-kreischenden, frauenmissachtenden, hasserfüllten, bärtigen, turbantragenden Moslems scheint fest in den Köpfen einiger intoleranter und, man kann es kaum anders sagen, schlichtweg dummer Menschen festzusitzen.

Die Tatsache, dass in Europa viele Muslime leben, macht diesen Leuten Angst - vordergründig zumindest; denn was hier zum Vorschein kommt, ist nichts als stumpfe Xenophobie. Mit Argumenten wie die Antipathie gegen einen "politischen" Islam oder einen Islam, der weniger Religion als Kultur ist, versuchen sich hoffnungslos gestrige selbsternannte "Kritiker" gesellschaftsfähig zu machen. Man beruft sich aber auf die "christliche Tradition" des "Abendlandes", unwissend oder ignorierend, dass das Christentum auch einen langen Weg ins Abendland zurücklegen musste, als es sich in den letzten 2000 Jahren über den ganzen Globus verbreitet hat - und dabei sicherlich Mittel in Anspruch nahm, über die man heute kaum zu sprechen wagt. 

Dass Muslime aber irgendwo wohnen und damit ja ganz offensichtlich die alteingesessene Kultur zerstören (durch ihre bloße Anwesenheit, anscheinend), ist nun ein Tatbestand, den man als aufrechter Deutscher bzw. Engländer bzw. jüngst auch Schweizer ja nun wirklich nicht akzeptieren kann.

Man kann nicht leugnen, dass in weiten Teilen Europas das Christentum die vorherrschende Religion ist und so logischerweise auch das Antlitz der Städte geprägt hat, z.B. mit Kirchen und zugehörigen Türmen - jedoch kann man davon halten, was man will, d.h., nur weil man an diesen Umstand gewöhnt ist, heißt das noch lange nicht, dass dieser Umstand auch gutzuheißen ist.

Ebenso wenig kann man aber leugnen, dass in hier, in der Schweiz, in England, in Frankreich, you name it, Religionsfreiheit herrscht. Wenn nun also neue Kirchen gebaut werden dürfen bzw. alte weiterbestehen dürfen, gibt es keinen logischen Grund, der dafürspricht, Minarette an Moscheen zu verbieten. Sicherlich dürften die Erbauer dafür keine Sonderrechte erhalten, aber das fordert ja auch niemand - d.h., wo aus z.B. Denkmalschutzgründen keine Kirche gebaut werden darf, darf auch keine Moschee gebaut werden.

Es ist aber eine symptomatische Haltung, mit einer Volksabstimmung zu versuchen, den Bau von Minaretten generell gesetzlich zu verbieten; symptomatisch nämlich für eine grundlegende Intoleranz in einer Gesellschaft, einer Gesellschaft, die sich nicht die Mühe macht, objektiv und offen über ein Problem nachzudenken, sondern stumpf und mit Scheuklappen ausgestattet den Lauf der Welt leugnet und aggressiv versucht, sich ihre angebliche Unabhängigkeit (oder welche Gründe auch immer genannt sein mögen), zu erhalten - und das, obwohl selbst die christlichen Kirchen gegen genannten Gesetzesvorschlag Stellung bezogen haben.

Dass diese Abstimmung gegen Menschenrechtskonventionen verstößt, ist wahrscheinlich; und dagegen kann sich nicht einmal die ach so neutrale Schweiz wehren. Was mich nur beunruhigt, ist die Vermutung, dass ein großer Teil auch der deutschen Gesellschaft eine solche Initiative unterstützen würde.

30.11.09 09:43

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


fb (30.11.09 15:09)
haha, eben Rheinzeitung Panorama gelesen? :D
Dachte mir iwie das zu Barth oder zu der Schweiz was in deinem blog steht...


KimZ (30.11.09 20:51)
Ne, sind nur die Themen, die mir sowieso aufgefallen sind am Wochenende...


fb (30.11.09 21:23)
aso, frage mich wann npd.de das thema mit der schweiz endlich aufgreift ^^

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