la pièce de résistance

Für weniger Mitsprache!

Das schöne Kunstwort "Web 2.0" in allen Ehren, aber vieles ist schlichtweg überflüssig.

Damit meine ich nicht etwa Twitter oder Facebook, sondern so profane Dinge wie die Kommentarfunktion bei den Onlineauftritten von großen Printmedien. Es ist soweit gekommen, dass ich auf manchen Seiten die Artikel, die ich anklicke, nur nach Kontroversität auswähle, um in spontanen Anfällen von Masochismus mein Menschenbild mit dem Lesen der Kommentare dazu nur noch weiter verdüstern zu lassen.

Zum einen sind die Leute, die Zeit und Muße haben, zu jedem Mist einen Kommentar zu hinterlassen, vollkommen unrepräsentativ, was die Gesamtbevölkerung angeht. Das Lesen der Kommentare vermittelt also nicht einmal den Ansatz von einem Realitätsbild, das man sich vielleicht dadurch erhoffen könnte; vielmehr spiegeln die Kommentare die unreflektierte Weltsicht einiger weniger wieder. Welche Leute das sind, lässt sich leicht wenn schon nicht am Inhalt, so doch meines Erachtens eindeutig an Form und vor allem Orthografie erkennen.

Der Moderationsaufwand seitens der Betreiber der Nachrichtenseiten steht auch in keinem Verhältnis zum Nutzen, den eine solche Kommentarfunktion hat. Die Illusion des Interaktiven, der Möglichkeit, dem Autor oder gar dem Akteur der Nachricht seine eigene, höchstpersönliche Meinung zukommen zu lassen, verblasst schnell, wenn man die niederschmetternde Irrelevanz seiner eigenen Meinung erkennt, was speziell diese Nachricht betrifft. Dennoch scheint diese Erkenntnis bei vielen zu fehlen; außerdem hält sich wohl oft auch der Moderationsaufwand, etwa bei welt.de, stark in Grenzen.

Die Bindung zum Medium, die der Eindruck des Mitredenkönnens beim Einzelnen hinterlässt, könnte dazu führen, dass er die Seite wieder besucht. Das ist aber nur eine wirklich abwegige Idee, mit der ich mir selbst einen Teil dieses Phänomens zu erklären versuche.

Leserkommentare erzeugen ein paar Klicks. Der, der sie sich durchliest, der, der einen verfasst, hinterlässt so eine kleine Steigerung des Werbewerts der Plattform. Allein, ist es das wert, wenn man ansonsten damit rechnen muss, dass der eigene Ruf brachial den Bach runter geht, weil stereotype, unbedachte Unterschichtenmeinungen ein Drittel der aufgerufenen Seite ausmachen?

Auch Leserbriefe, besonders in Regionalzeitungen, können einen die Hand vor den Kopf schlagen lassen. Nichtsdestotrotz gehört mehr Eigeninitiative, mehr Aufwand dazu, der Zeitung einen Brief (oder eine E-Mail, zugegebenermaßen) zu schreiben, d.h., mehr Zeit zum Nachdenken und gegebenenfalls Seinlassen. Die Auswahl der abzudruckenden Leserbriefe durch die Zeitung garantiert (oder sollte es zumindest), dass ein ausgewogenes Meinungsbild entsteht. Bequemer ist es aber, auf "Kommentar schreiben" zu klicken und mal so richtig die Caps-Lock-Sau rauszulassen, und wenn die gleichen Schlagworte schon zig mal gepostet wurden - denn des weiteren sind die Kommentare furchtbar redundant. Man erkennt auf Anhieb die Meldungen, die das typische negative Politik-, ja, das negative Weltbild zu bestätigen scheinen, und manchmal habe ich den Verdacht, dass genau solche Nachrichten online gepusht werden. Negativismus herrscht zwar als Nachrichtenfaktor nur dort, wo das Negative die Ausnahme ist (also etwa hier, obwohl viele Stammtische mir bei diesem Punkt widersprechen dürften), aber solange er einer ist, klicken genug Leute auf vermeintliche Horrormeldungen aus Politik und Wirtschaft, und hey, wenn sie einen Kommentar hinterlassen, um so besser.

Leserkommentare sind kein Spiegel der Gesellschaft, sie sind ein hässliches Foto mit seltsamen Leuten drauf, das man am liebsten wegschmeißen möchte.

 

9.2.10 23:19

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hai (26.11.15 02:10)
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Clement (5.1.16 23:02)
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